Paris, 1929: Die junge Simone will studieren - und schreiben. Dann begegnet sie Jean-Paul Sartre, Enfant terrible, Genie und bald ihr Geliebter. Sie schließen einen Pakt, der ihre Liebe und dabei sexuelle Freiheit sichern soll. Gemeinsam formulieren sie die Philosophie des Existenzialismus, sind der Mittelpunkt der Pariser Bohème. Doch ihren Traum vom Schreiben kann Simone nicht verwirklichen - die Verlage lehnen ihre Texte als »unpassend« ab. Und auch um die Beziehung zu Sartre muss sie kämpfen. Denn: Wie lässt sich eine große Liebe mit dem Streben nach Freiheit vereinbaren?​

 

Simone de Beauvoir hat vor vielen Jahren mein Leben verändert. Ich saß unglücklich und einsam als Au-pair in Paris und kaufte den ersten Band ihrer Memoiren – und mein Leben wurde sofort reicher. Ich las alle ihre Bücher, ich wollte sein wie sie, ich folgte ihrem Leben atemlos, wagte sogar davon zu träumen, sie in irgendeinem Café zufällig zu treffen.

Das war gar nicht notwendig. Ihre Bücher reichten mir. Sie zeigten mir, dass es sich lohnt, gegen Widerstände anzugehen, dem eigenen Weg zu folgen, auch wenn er nicht der einfachste Weg ist. Ich lernte von Simone de Beauvoir, dass das Leben viel mehr Möglichkeiten für mich bereithielt, als ich geglaubt hatte. Ich musste nicht heiraten, wenn ich es nicht wollte (heute bin ich glücklich verheiratet), ich durfte einen Beruf aufgeben, in dem ich mich nicht wohl fühlte, und mittellos ein Studium beginnen. Ich konnte meinen Traum leben. Von Simone lernte ich, wie beglückend es ist, lesend neue Welten zu erobern und sich selbst zu befragen, sich selbst zu befreien.

Letztendlich war sie es, die mir den Mut gegeben hat, Bücher zu schreiben. Dafür bin ich ihr dankbar. Und ich weiß, ich bin beileibe nicht die einzige Frau, der Simone de Beauvoir auf die Sprünge geholfen hat. Die Dankesbriefe von Frauen aus aller Welt an sie füllen heute die Regale im Pariser Nationalarchiv.

 

In „Die Frau von Montparnasse“ erzähle ich, mit wie viel Mut Simone de Beauvoir gegen ihre Rolle als Tochter aus gutem Hause angekämpft hat. Sie entwickelt ihren eigenen Blick auf die Welt, was zu einer ganzen Philosophie und zum Entstehen der Frauenbewegung geführt hat.

Wichtig ist mir aber auch ihre andere Seite: Simone de Beauvoir war eine sehr sinnliche Frau, die das Leben liebte und sich von der Schönheit der Natur zu Tränen rühren ließ, die ein Talent für lebenslange Freundschaften und für die ganz große Liebe hatte, die „trunken vor Glück, trunken nach Büchern und Freundschaft“ war.